Radsportbezirk Westfalen-Mitte

Heßmann rockt die Hölle des Nordens

Für viele junge Radsportler ist es ein großer Traum. Einmal Paris – Roubaix, auf alten Wegen, mit ekelhaften Anstiegen, Wind und der gefühlt nie endenden Kopfsteinpflasterstrecken. Nach Jon Knolle im vergangenen Jahr durfte in diesem Jahr mit Michel Heßmann der nächste Hoffnungsträger des Rad Teams Stadtwerke Unna in Paris an den Start gehen.

 

„Es fühlt sich tatsächlich anders an, hier am Start zu stehen. Alle wirkten nervös und so fing dann auch das Rennen an. Jeder wollte vorne sein, um jeweils in einer guten Position in die Paves (Kopfsteinpflasterpassagen) zu kommen. Es ist schon wichtig da vorne dabei zu sein. Wenn du ansonsten einen schwächeren vor dir hast und da eine Lücke auf geht, dann wird es schwer die wieder zu schließen.“

 

Heßmann angriffslustig

 

Der Liveticker zeigte kurz vor der Hälfte des Rennens dann zwei Ausreißer – kein Deutscher Starter. Mit der nächsten Einblendung dann die Überraschung für Fans des Radsports in Unna. Michel Heßmann schließt zur Spitzengruppe auf. Führung bei Paris – Roubaix für Michel Heßmann. Das hat es in den 50 Jahren des RSV Unna noch nicht gegeben. „Es fühlte sich gut an. Ich war auch gar nicht müde und auch nicht am Limit. Wir sind dann zu dritt ein Stück gefahren, später schlossen dann weitere Fahrer zu uns auf. Das Rennen wurde immer schneller aber ich kam gut zu Recht.“

 

Auf ALUnna-Rohren über die Paves

 

Für die Junioren ging es über 16 Paves mit einer Länge von 28 Kilometer. Eine besondere Beanspruchung für Fahrer und Material. „Die Paves sind teilweise schon richtig heftig. Da kannst du, so wie ich es immer im Fernsehen beobachten konnte, teilweise tatsächlich nur am Rand auf der Grasnarbe fahren. Ich bin bewusst mit unserem ALUnna-Rad an den Start gegangen. Das war eine richtig gute Entscheidung. Diese langen und hart gefahrenen Strecken kommen mir sehr entgegen. Rad und Beine fühlten sich einfach nur gut an. Ich fühlte mich voll in meinem Element.“

 

Defekthexe kommt zur Unzeit

 

Ohne Defekt geht es bei Paris – Roubaix wohl nicht. „Nach knapp 70 Kilometer hatten wir einen echt krassen Speed in der Spitze. Ich fuhr an 4. oder 5. Stelle. An meinem Hinterrad mussten immer mehr Fahrer reißen lassen. Eine immer kleiner werdende Gruppe und die Chance auf die Top Ten war da. Wir waren dabei mit vier Deutschen in der Gruppe. Das war schon gut. Doch dann bekam ich kurz vor Ende des Paves einen Platten. Dadurch, dass das Feld so auseinander gerissen war, waren die Begleitfahrzeuge sehr weit hinten. Über zwei Minuten mussten wir warten- direkt neben mir hatte auch mein Teamkollege Mayerhofer auch einen Defekt- bis der Mannschaftswagen da war. Schnell einen Laufradwechsel und dann ging es mit Mayerhofer zusammen auf die Verfolgung. Die Spitze war bei dem Tempo nicht mehr einzuholen. Wir konnten aber viele Fahrer vor uns wieder einsammeln und auf die Verfolgergruppe aufschließen. Mit zwei Dänen haben wir dann das Tempo noch einmal angezogen, so dass wir dann mit einem Dänen und einem Norweger in Richtung Roubaix fuhren.

 

Einfahrt ins Radstadion Roubaix

 

Dann hatten wir plötzlich das letzte Pave, gespickt mit den Steinen der großen Gewinner, vor uns. Eigentlich etwas wie ein Teppich, die letzten Meter vor dem Stadion. Dann die Einfahrt ins Stadion, eine Zielankunft, die sich so besonders anfühlt, dass ich sie nicht beschreiben kann. Lauter Jubel bei jedem Fahrer der durch den Torbogen fährt. Dann noch eineinhalb Runden mit Gänsehaut auf der Bahn. Es fühlt sich an wie eine Ehrenrunde. Ich bin stolz, erleichtert und einfach nur glücklich.“

 

Platz 20 ist am Ende ein klasse Resultat für Michel Heßmann, der noch zum Jungjahrgang gehört und hoffentlich im kommenden Jahr erneut die Chance erhält, diesen Traum noch einmal erleben zu dürfen.

 

 



 

Franzi Koch gewinnt MTB-Weltranglistenrennen in Belgien

 

Zeitgleich ging Franzi Koch in Belgien an den Start. Beim 3-Nation-Cup in Beringen ging es darum, Punkte für die Weltrangliste zu sammeln. Punkte, die bei der WM über eine gute Startposition entscheiden. „Der BDR hatte Franzi zum Weltranglistenrennen in die Schweiz eingeladen. Wir haben uns für Belgien entschieden, weil es für Franzi weniger Reisestress bedeutete. Sport und Schule müssen ja auch irgendwie in Einklang gebracht werden können“, so Vater und Trainer Christian Koch.

 

„Ich konnte auf Grund meiner Erfolge im vergangenen Jahr aus der ersten Startreihe losfahren. Die Chance habe ich dann genutzt und habe im Startloop meinen Platz verteidigt. So bin ich dann auch als erste ins Gelände gegangen. Da ging es dann sofort extrem Steil und lang bergauf. Die Strecke, angelegt an einer ehemaligen Halde, war sehr schwer. Bereits am ersten Anstieg konnte ich mich von der Konkurrenz lösen. Schnell schloss ich auch zu den ersten Frauen auf, die 2 Minuten vor uns gestartet waren. Dann wurde es knifflig, da viele Strecke einfach nur eng waren und wenig Möglichkeiten zum Überholen ließen.“

 

Der Kurs hatte es in allen Passagen in sich. Der Schwierigkeitsgrad war auch in den technischen Teilen sehr hoch. Steinfelder, Sprünge und knifflige Trail-Passagen machten die Abfahrten zu einer großen Herausforderung. Am Ende sprang für die Deutsche Meisterin ein überlegener Sieg heraus. Sie siegte mit sechs Minuten Vorsprung vor der belgischen Lokalmatadorin Debremaeker und sammelte damit die ersten 20 Punkte für die Weltrangliste. Ein guter Start für Franzi in die MTB Saison. Damit geht es am kommenden Wochenende gut vorbereitet zum Weltcup in Nales/Italien.

 

Sichtungsrennen in Börger

 

Beim ersten Sichtungsrennen des BDR in Börger lief es für die RSVler noch nicht so gut. Während Luca Harter mit der großen Spitzengruppe ins Ziel kam war das lange Rennen für Julius Dräger nach seiner langen Erkrankung am Ende noch zu hart. Beide zeigen aber ansteigende Form und dürften in den kommenden Wochen für Überraschungen sorgen können.

 

Bei der Elite war das Feld mit zahlreichen niederländischen Profis gespickt. Am Ende gewannen die Niederländer den „Ländervergleich“. Auf der letzten Runde setzte sich Jeff Krul vom Feld ab und konnte im Alleingang den Sieg einfahren. Dahinter kam es dann zum direkten Sprintduell zwischen Jeff Vermulen und Aaron Grosser. Der Niederländer siegte denkbar knapp. Ein gutes Rennen zeigten in diesem starken Feld auch Luke Derksen und Simon Schmitt. „Ich wollte für Simon den Sprint anfahren und hatte ihn auch an meinem Hinterrad. Dann drängte sich in der letzten Kurve ein Fahrer dazwischen“, so Derksen nach dem Rennen. Auf Platz 20 und 33 kamen beide Fahrer ins Ziel.

 

 

 

 

 

 

 

 

Text und Fotos: RSV Unna

 

 

 

 

 

Dienstag, 19. Juni 2018